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Begrenzter Universalismus. Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt

Ullrich, Peter 2007: Begrenzter Universalismus. Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt, Kleine Texte 26, Berlin: AphorismA, 978-3-86575-526-1, 5€.

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Buchcover von Peter Ullrich (2008) : Begrenzter Universalimus. Sozialismus, Kommunismus, Arbeiter(innen)bewegung und ihr schwieriges Verhältnis zu Judentum und Nahostkonflikt

Aus dem Schlußkapitel

Ein moralisches Kernproblem ist der linke Universalismus,
bzw. das Aufgeben desselben. Die sozialdemokratische Abwendung vom marxistischen Klassenkampf-Universalismus hin zu nationaler Politik führte zu einer Offenheit gegenüber einem kolonialistisch begründetenen Prozionismus, der wiederum antiarabische Elemente enthielt.
Die kommunistische Abwendung von Klassenkampf-Universalismus
während seiner jeweiligen nationalen Implementierung führte
zu vorübergehendem manifestem Antisemitismus.
Doch auch damit ist das Problem noch nicht ausreichend geklärt.
Denn die Darstellung des blind spot Antisemitismus der marxistischen Arbeiter(innen)bewegung auch in ihren nicht antisemitischen Phasen zeigt, daß auch die spezifischen Füllung des Universalismusbegriffs zentral ist.
Der marxistische und klar internationalistische Sozialismus war zwar nicht antijüdisch, aber auch eben schon blind. Hier zeigt sich, daß sein um Klassenkampf zentriertes Weltbild nur vorgab, auch die Jüdinnen und Juden sowie ihre partikulare Verfolgung mit zu erfassen (...).
Auschwitz, aber auch der Stalinismus haben gezeigt, wie sehr diese Annahme fehl schlug.
Da dieses Erbe der sozialistisch-kommunistischen Geschichte auch heute noch seine deutlichen Spuren in Teilen der Linken hinterlassen hat, ist weiter zu fragen, welches Universalismus eine linke Politik bedarf, die Emanzipation für alle Menschen, den Kampf gegen Unterdrückung aller Gruppen zum Inhalt haben will.
Ein Klassenkampfuniversalismus ohne zumindest eine Anreicherung um einen ernstgemeinten Menschenrechtsbegriff hat die notwendigen Voraussetzungen offensichtlich nicht, vielmehr hat er sein Versagen auch bei jüdischem partikularen Leid unter Beweis gestellt.


Über den Autor

Peter Ullrich
geb. 1976, Soziologe und Kulturwissenschaftler; 2003-2007 Promotion in Berlin und Leipzig zum Thema „Die Linke, Israel und Palästina. Diskursive Gelegenheitsstrukturen und die linken Nahostdiskurse in Großbritannien und der Bundesrepublik Deutschland“

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